„Meine Blindheit macht mich nicht traurig, Sehende manchmal schon“

Ich glaube, dass viele typische Probleme blinder Menschen sozialer Art sind und von der evolutionär entstandenen Angst vor Dunkelheit beeinflusst werden. Jeder Mensch kennt das Gefühl zwischen Beklemmung und Angst, wenn man im Dunklen plötzlich nichts mehr sieht. In der Dunkelheit fühlen sich Sehende oft unbehaglich, unwohl, angespannt, nervös, mulmig, orientierungslos, unsicher, wehrlos, hilflos, abhängig, ausgeliefert, gefangen, eingesperrt, machtlos, passiv, ohnmächtig, eingeschüchtert, nicht gut.

  • Beeinflußen unbewusste Angsterinnerungen, wie sehende Menschen sich das Leben blinder Menschen vorstellen?
  • Was sind Urängste? Warum gibt es sie? Welche Ängste haben Tier und Mensch gemeinsam? Welche Ängste kennt schon jedes Kind?
  • Welche realen Gefahren gibt es im Dunkeln?
  • Wie gehen sehende Menschen mit ihrer Dunkelangst um? Welche Bewältigungsstrategien haben sie?
  • Was unterscheidet Blindheit von anderen Behinderungen?
  • Gibt es einen Zusammenhang zwischen Berührungsängsten gegenüber blinden Menschen und der allen Menschen bekannten Angst im Dunkeln?
  • Mit diesen und ähnlichen Fragen werde ich mich künftig hier auf dubistblind.de/blog beschäftigen. Erste Erläuterungen meiner Thesen finden sich auch in diesen englischsprachigen Tweets.

In einer repräsentativen Umfrage von 2016 gaben 80% sehender Menschen an, Mitleid mit Blinden zu haben. 74% glaubten nicht, dass sie noch glücklich sein könnten, wenn sie blind wären. 53% fühlen sich in der Nähe blinder Menschen unbehaglich. 46% konnten sich kein schlimmeres Schicksal vorstellen, als blind zu sein.

Ich mag die 54%, die sich Schlimmeres als Blindheit vorstellen können. Ich mag Menschen, die mir ohne übertriebene Unsicherheit, Ängste und Fürsorge begegnen.

Unwissenheit, fehlende Erfahrung und Mitgefühl mit Blinden sind unvermeidbar und ganz normal, offen gezeigtes Mitleid und Bevormundung muss aber wirklich nicht sein.

Fazit: Für mich ist es ein Trost, dass viele andere überall auf der Welt täglich das Gleiche erleben und dass das gefühlsgesteuerte Verhalten meiner sehenden Mitmenschen ganz normal ist. Man kann es leider kaum ändern, aber wenigstens verstehen. Dann tut es weniger weh und es kann einen nicht mehr so leicht verletzen.

Warum kommen Blinde nicht in die Hölle?
Weil der Teufel Angst hat, dass sie ihm auf den Schwanz treten.😎

Oder mit anderen Worten: Sogar der Teufel hat Vorurteile und Berührungsängste…

Welche Begriffe fallen dir spontan zum Thema „Blindheit“ ein?

Welche Begriffe fallen dir spontan zum Thema „Blindheit“ ein?

Dies hatte ich vor einigen Tagen bei Facebook gefragt. 2011 wurde diese Frage bereits einmal von Heiko Kunert gestellt. Es geht mir um die Asoziationen sehender Menschen zu Blindheit und blinden Menschen im allgemeinen. Bitte vor dem weiterlesen erst kurz darüber nachdenken und die Worte vielleicht sogar schon mal notieren. Antworten sind möglich als Kommentar direkt hier, unter diesem FB-Post oder bei Twitter an @de_Per. Danke! :-)

Ich arbeite an einen Text, in dem es darum geht, was Sehende Menschen fühlen oder denken, wenn es um Blindheit geht oder sie einen blinden Menschen treffen. Es gibt keine richtigen oder falschen Antworten. Wir Menschen beschönigen unangenehme Wahrheiten gerne und möchten meist auch offen und klug wirken. Ungeschminkte Antworten wären in diesem Fall aber besser, auch wenn es vielleicht schwer fällt. .

Zugehörige Seiten:
Du und die Sehenden: Sammlung passender #Dubistblind-Sätze.
Was Sehende über Blindheit denken: Ergebnisse einer Studie aus den USA, ergänzt mit meiner eigenen Meinung.

Wortwolke

Von den bislang insgesamt 26 Antworten habe ich fast alle Begriffe zu einer Art Wortwolke „verdichtet“. Das Resultat liest sich zuerst beklemmend, wird dann neutral und schließlich positiv, vielleicht sogar zu positiv. . Manche haben bei der Beantwortung vielleicht an Menschen gedacht, die sie kennen, andere stellten sich vielleicht vor, wie es wohl ist, blind zu sein oder selber blind zu werden. Wenn mehrere Leute den gleichen Begriff genannt haben, habe ich ihn auch entsprechend oft benutzt. Ich habe alle Worte zusammengeführt und in eine eigene Reihenfolge gebracht. Dabei habe ich mir die „künstlerische Freiheit“ genommen, einiges völlig unpassendes wegzulassen und zwei bis drei Aussagen sprachlich anzugleichen. Die Überschrift spiegelt die meistgenannten Asoziationen wider. Hier ist das Ergebnis:

Mit Stock und Hund gegen die Angst vor der Dunkelheit

Dunkelheit, Dunkelheit, Dunkelheit, Angst, Angst, Angst,
Dunkelheit, Dunkelheit, Dunkelheit. Einschränkung, Einschränkung, Abhängigkeit.
Hilflos, zerbrechlich, orientierungslos, eingeschränkt, abhängig.
Unsicherheit. Beklemmung. Hilfe. Mitgefühl. Bevormundung. Einsamkeit.
Manchmal wütend auf die eigene Blindheit. Dunkel. Mit Blindheit geschlagen.

Blindenhund, Blindenhund, Blindenhund, Blindenhund. Begleithund, Hund, Hund, Hund, Hund.
Langstock, Stock, Stock, Stock, Stock.
Blindenschrift, Blindenschrift, Blindenschrift, Brailleschrift, Braille, Braille.
Orientierung. Räumliches Denken. Geräusche machen beim vorbeigehen. Klackende Ampel. Blinde Kuh spielen. Dialog im Dunkeln, Dialog im Dunkeln, Café dunkel.
Physiotherapeuten, Hörfilme, erschwertes Leben als Kind, gute moderne Unterstützungsmöglichkeiten, NORMAL (mit anderen Sinnen auf andere Art und Weise zum Ziel kommen).
Barrierefreiheit, Barrierefreiheit, Barrierefreiheit. Brille, Brille, Blindenzeichen.

Feingefühl, Feingefühl, Sensibilität.
Sehen, sehen, Nichts sehen, „energetisch sehen“.
Fühlen, fühlen, Hände. Hören, hören. Sensibel, sensibel.
Sinne, bessere Sinne, Supergehör, scharfgestelltes Hören.
Besonders wahrnehmungsfähig, gutes Gespür für Gefühle. Kommunikativ, kommunikativ.
Langsamer. Kopfkino. Einfühlsamkeit. Fantasie. Respekt, Respekt, Bewunderung.
Stark, einfallsreich, freundlich, offen, frei, intensiv, interessiert, intelligent, vertrauensvoll, Lebenskünstler, liebenswert.
Horizont erweitern, Abenteuer, geschmeidig bleiben, blaue Flecken, Mut, Mary Ingalls.