Als ich meine untenstehende „Kuschel-Kontaktanzeige“ schrieb, tat ich dies, weil ich mich nach dem Gefühl von Wärme und Geborgenheit beim Zusammensein mit einer Frau sehnte. Ich suchte gelegentliche körperliche und emotionale Nähe, keine Beziehung und keinen Sex.
Was ich nicht erwartet hatte, war, dass auch einige meiner Freunde und Bekannten sich von dem Text angesprochen fühlen könnten. Seitdem werde ich bei Begrüßungen und Verabschiedungen öfters als sonst umarmt und bei Gesprächen auch kurz mal an Schulter, Arm oder Rücken berührt. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie gut sich das anfühlt! Oder vielleicht doch? Ich bin sehr froh, mich getraut zu haben, mein Bedürfnis nach mehr Nähe öffentlich zuzugeben.
Weil ich mich inzwischen zunehmend für die Wirkung von Berührung interessiere, habe ich ein neues Projekt gestartet. Mein Ziel ist, andere zu mehr Körperkontakt zu ermutigen. Dazu beschäftige ich mich zunächst mit Fragen wie diesen:
An was denken Menschen bei den Begriffen Berührung und Kuscheln? Welche Vorurteile und Hemmschwellen gibt es und wie kann man diese abbauen? Warum tut Körperkontakt uns überhaupt gut? Wie finde ich in der Region Kassel Menschen, die sich mit mir zusammen für barrierefreie Berührungsangebote wie Kuschel-Therapie, Kuschel-Partys und -Gruppen engagieren möchten? Wer hat Lust, mitzumachen oder mir von privaten oder professionellen Erfahrungen zu berichten? Kontakt.
Berührung tut gut
Wir Menschen sind soziale Wesen und darauf angelegt, Nähe zu suchen, uns auszutauschen und miteinander verbunden zu fühlen. Eine der ursprünglichsten und einfachsten Formen dieser Verbindung ist die Berührung. Und doch berühren wir uns leider viel zu selten.
In einer Welt, in der Smartphones mehr Zeit in unseren Händen verbringen als die Hände anderer Menschen, verliert Körperkontakt an Selbstverständlichkeit. Viele scheuen Berührungen aus Angst, übergriffig zu wirken oder missverstanden zu werden.
Manche haben in ihrer Kindheit kaum Zuwendung erfahren und wissen gar nicht, wie gut Nähe tun kann. Andere haben erlebt, dass ihre Grenzen überschritten wurden und verbinden Berührung deshalb unbewusst mit Fremdbestimmung, Schmerz oder Unsicherheit. Durch die Pandemie wurde das noch verschärft. Nähe wurde zum Risiko. Das sitzt bei vielen von uns noch tief.
Doch das muss nicht so bleiben. Wir können neue Erfahrungen machen – Erfahrungen, die zeigen, dass Berührungen auch sanft, respektvoll und wohltuend sein können.
Studien zeigen, dass Berührungen Schmerzen, Depressionen und Ängste lindern, Stresshormone verringern, dem Herz- und Kreislaufsystem gut tun und gegen Einsamkeitsgefühle und soziale Kälte helfen. Es braucht gar nicht viel, um wieder mehr zwischenmenschliche Wärme in unseren Alltag zu bringen.
Eine kurze Umarmung unter Freunden, eine Hand auf der Schulter, ein fester Händedruck, ein Lächeln, ein freundliches Wort. Solche Momente kosten nichts und wirken doch wie Medizin. Sie signalisieren: Du bist nicht allein. Ich sehe dich. Ich bin dir zugewandt.
Fast jeder von uns weiß, wie wohltuend es sein kann, nach einer Umarmung Verbundenheit zu spüren oder durch eine Hand auf dem Arm Trost zu erhalten, auch wenn das vielleicht schon lange nicht mehr passiert ist. Berührung ist ein Grundbedürfnis, so essenziell wie Nahrung oder Schlaf. Körperlicher Kontakt stärkt zwischenmenschliche Beziehungen und gibt uns Kraft, schwierige Zeiten besser zu bewältigen. Wer regelmäßig Zuwendung in Form von Berührung erlebt, ist ausgeglichener, zufriedener, gesünder und fühlt sich weniger allein.
Berührung ist die Sprache, die wir nie verlernt haben. Wir müssen nur wieder beginnen, sie zu sprechen. Berührung tut uns nämlich (fast) allen gut!🤗
Projekt „Berührung für alle“
Mit diesen Fragen möchte ich mich künftig unter anderem auf dieser provisorischen Projektseite beschäftigen:
- Was sollte man bei alltäglichen Berührungen von Freunden, Kollegen und Fremden beachten? Erste Gedanken…
- Berührung und Kuscheln: An was denken Menschen bei diesen Begriffen? Welche Vorurteile und Hemmschwellen gibt es und wie kann man diese abbauen?
- Warum ist Berührung gerade für behinderte und ältere Menschen besonders wertvoll?
- Wie müsste man öffentliche Kuschel-Events und private Kuschel-Gruppen gestalten, um diese barrierefreier zu machen?
- Könnte seriöse Kuscheltherapie ein geeignetes Arbeitsgebiet für Menschen mit Behinderungen sein?
- Was ist der Unterschied zwischen alltäglichen Berührungen, privatem Kuscheln, organisierten Kuschel-Partys, professioneller Kuschel-Therapie, Körperarbeit, Massage, Sexualbegleitung, Sexualassistenz und Prostitution?
- Welche Wirkung haben zwischenmenschliche Berührung und das Berühren von Tieren gemeinsam? (tiergestützte Therapieformen, Tier-Cafés, Streichelzoos, Haustiere, etc.)
Weiterführende Links
Wissenschaftliche Forschungsergebnisse
Eine aktuelle Metastudie zeigt, dass Berührung vor allem geeignet ist, Schmerz, Depression, Angst und Stress zu lindern:
Wann und wie Berührung gut tut (Pressemeldung der Uni Bochum, 2024
Die Kuschelkiste (cuddlers.net)
Auf der Website und im Blog der Kuschel-Aktivistin Elisa Meyer aus Leipzig gibt es viele Infos über professionelle Kuschel-Therapie, Ausbildungsangebote, wissenschaftliche Forschung, Erfahrungsberichte, typische Vorurteile, häufig gestellte Fragen, Medienbeiträge und Erklärvideos inklusive einer Liste mit über 30 seriösen Kuschel-Therapeut*innen:
Willkommen bei der Kuschel Kiste – der professionelle Kuschelservice
Kuschel-Podcast
In 13 Folgen beschäftigt sich Elisa mit Kuscheltherapie und allem, was dazu gehört. Es geht um die Wirkung von Berührung, um den Job als Kuschler*in, um wissenschaftliche Aspekte aber auch um Regeln, Grenzen und Ethik:
YouTube, Apple Podcasts, Spotify
Kuschelraum.de
Auf der Website und im Blog von Angeline Heilfort aus Berlin und ihrem Team geht es um professionelle Kuschel-Angebote, Kuschel-Partys, Sichere Gruppenräume zum entspannten, nicht-sexuellen Kuscheln und auch um Schulungen für Menschen, die selbst professionelle Kuschelräume anbieten wollen.
Der Kuschel-Knigge beschreibt z.B., wie man einen sicheren, respektvollen und absichtslosen Raum schaffen kann, in dem alle offen kommunizieren, auf ihren Körper hören, Grenzen achten und gemeinsame Nähe entspannt genießen können.
Netzwerk Berührung
Meine „Kuschel-Kontaktanzeige“
Im August 2025 veröffentlichte ich folgenden Text:
Ich bin ein zufriedener Single und gerne alleine, aber ab und zu sehne ich mich nach dem Gefühl von Nähe und Geborgenheit beim Zusammensein mit einer Frau. 🫂
Manchmal möchte ich jemand meine Schulter zum anlehnen anbieten, umarmen und umarmt werden, halten und gehalten werden, Berührung fühlen, zusammen atmen, die Wärme eines anderen Menschen spüren, ohne sexuelle Absichten oder große Worte. 🤲 Ich suche gelegentliche körperliche und emotionale Nähe, keine Beziehung und keinen Sex.
Sympathie, Vertrauen, Diskretion und ein beidseitig gutes Gefühl sind mir wichtig, Aussehen und Alter dagegen nicht. Ich halte Absprachen ein, bin nie übergriffig und melde mich nur, wenn das erwünscht ist. Kann so etwas funktionieren? Keine Ahnung. Ich möchte es einfach mal probieren. 🍀
Zu mir: Ich heiße Per Busch, lebe in Kassel-Harleshausen, bin ein guter Zuhörer, freundlich, offen, humorvoll, unkompliziert und blind. Hier gibt’s meine Kontaktdaten und mehr Infos über mich. 😎

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2017 schrieb ich einen nicht ganz ernst gemeinten und doch wahren Text:
15 Gründe, warum Du einen blinden Mann willst 😉
Diese Liste inspirierte eine Redakteurin der HNA 2018 zu diesem Artikel:
Seit neun Jahren ungeküsst — Blinder Waldläufer sucht Partnerin 🌳👨🦯🌲
— Per Busch, Kassel 2025