Das Fernassistenz-Projekt

Ich habe zusammen mit anderen ein Projekt gestartet. Wir wollen eine Plattform für professionelle Fernassistenz entwickeln und barrierefreie Arbeitsplätze schaffen. Wir fangen zunächst mit einem Modellprojekt in der Region Kassel an und wollen den Service bei Erfolg auf den gesamten deutschsprachigen Raum ausweiten.

Mittels einer Fernassistenz-App kann man sich einfach und spontan Augen und Sachverstand von anderen Menschen leihen. Solch ein Service ist ein wertvolles Hilfsmittel für blinde und sehbehinderte Menschen, könnte aber auch für Senior:innen, Menschen mit Lernschwierigkeiten, schlechten Deutschkenntnissen, Orientierungsproblemen, beginnender Demenz, erhöhtem Sicherheitsbedürfnis oder ungenügenden Computerkenntnissen hilfreich sein. Diese neuen Möglichkeiten wollen wir erforschen und bekannt machen.

Die Stiftung der Aktion Mensch fördert unsere Planungsphase im Rahmen ihres Programms „Inklusion durch Digitalisierung“. Im Sommer 2022 haben wir uns bereits erfolgreich an einer Smart City Crowdfunding-Kampagne der Stadt Kassel auf startnext.com/fernassistenz beteiligt und bekamen sogar einen Sonderpreis. Siehe diese Pressemeldung der Uni Kassel und bei Bedarf diese screenreader-freundlichere Version der Startnext-Seite.

Unser Projekt-Team besteht momentan im Kern aus Kai Bißbort (Social Entrepreneur), Dr. Ellen Schäfer (Wissenschaftlerin, Arbeits- und Organisationspsychologie), Patrick Brückner (Entwickler, Mitgründer eines Fintech-Startups) und mir, Per Busch (blinder Aktivist). Außerdem sind noch mehrere Digital Coaches vom PIKSL Labor Kassel (Bathildisheim e.V.) mit dabei. Weitere Mitmacher:innen und Unterstützer:innen sind willkommen! Kontakt zum Team.

Meine Motivation: 2015 hörte ich zum ersten Mal von Fernassistenz. Ich wurde jedes Mal neidisch, wenn ich las, was blinde Menschen in englischsprachigen Ländern mit solch einem professionellen Service plötzlich alles machen konnten und wie begeistert die davon waren. Das wollte ich auch haben! Ich selbst habe keinerlei finanzielles Interesse und arbeite als Freiwilliger im unserem Projekt mit. Ich möchte den Service später einmal selber nutzen können.

Visuelle Unterstützung auf Abruf

Alle blinden Menschen kennen das: Man ist gerade voller Tatendrang, aber wegen einer Kleinigkeit kommt man alleine nicht weiter und keiner ist da, um kurz zu helfen. Ähnliche Probleme haben auch anderweitig eingeschränkte Menschen. Mit Fernassistenz kann man viele Dinge zu seinen eigenen Bedingungen erledigen und zu seiner eigenen Zeit.

„Schnell mal ein Paar Augen leihen“

Viele kennen bereits die App Be My Eyes, mit der blinde Menschen zufällig zugeteilte Freiwillige durch die Kamera ihres Smartphones gucken lassen können, um schnell und unkompliziert sehende Hilfe zu bekommen. In englischsprachigen Ländern gibt es seit einigen Jahren auch den kommerziellen Service von Aira.io, bei dem man mit gut ausgebildeten, vertrauenswürdigen Assistent:innen verbunden wird. Aira nennt den Service „Visuelles Dolmetschen“ und beschäftigt bereits mehr als 120 Mitarbeiter:innen. Unserer Meinung nach sollte es so etwas wie Aira auch in Deutschland geben.

Wie funktioniert professionelle Fernassistenz?

Man öffnet eine App auf dem Smartphone und fordert Assistenz an. Ein Agent meldet sich via Audioverbindung und man schildert kurz, welche Unterstützung man braucht. Der Agent sieht durch die Smartphone-Kamera des Nutzers und hilft weiter.

Zusätzlich zum Videostream stehen den Agent:innen weitere Hilfsmittel zur Verfügung. Sie sehen Profilinfos der Kund:innen und können Fotos machen. Sie bekommen Echtzeit-Infos über deren Standort und können auf Karten oder Gebäudeplänen sehen, was sich in direkter Nähe oder etwas entfernt befindet. Bei Bedarf können sie mittels Fernzugriff z.B. mit TeamViewer auch Zugang zum Smartphone oder Computer der Klient:innen bekommen, um dort Dinge zu tun, die für diese selbst nicht möglich sind, z.B. auf nicht-barrierefreien Webseiten oder bei schlecht bedienbarer Software.

Eine Chat-Option macht den Dienst auch für taubblinde Menschen zugänglich und hilft in Situationen, in denen man nicht frei sprechen kann, z.B. bei Meetings und Veranstaltungen.

Die Assistenzkräfte sind vertrauenswürdig, werden intensiv geschult, können gut kommunizieren, beschreiben sorgfältig, beachten den Datenschutz, berücksichtigen die individuellen Vorlieben der Nutzer:innen und bieten einen professionellen Kundenservice.

Das Kamera-Auge

In vielen Situationen kann es sinnvoll sein, statt der Smartphone-Kamera eine am Kopf getragene Kamera-Kopfhörer-Kombination zu benutzen. So hat man beide Hände frei und kontrolliert den Kamerablick mit dem Kopf. Wenn das Smartphone unterwegs in der Tasche bleibt, kann es auch nicht versehentlich fallengelassen oder unerwartet von einem Dieb aus der Hand gerissen werden.

Der Service des US-amerikanischen Fernassistenzanbieters Aira läuft seit September 2022 auch auf den Envision Glasses, einem Headset mit Kamera. Die niederländische Firma Envision entwickelt neben ihrer AI-App für Blinde seit 2020 auch diese modifizierte Version der Google Glass Enterprise Edition 2, die momentan aber noch weit über 2000 Euro kostet. Ein Antrag auf Aufnahme der Envision Glasses ins Hilfsmittelverzeichnis der deutschen Krankenkassen läuft anscheinend bereits.

Da aber auch viele große Firmen an Angeboten für Augmented/Mixed/Virtual Reality arbeiten, könnte es künftig vielleicht auch wesentlich günstigere Hardware geben. Denkbar wäre beispielsweise ein einfaches Knochenschall-Headset mit integrierter Kamera, ähnlich wie das von ARX Vision oder das von Seleste.

Fernassistenz als Beruf

Fernassistenz kann immer dann eingesetzt werden, wenn die reale Anwesenheit eines anderen Menschen nicht notwendig ist. Normalerweise müssen Assistenzkräfte an- und abreisen und dauerhaft anwesend sein, auch wenn sie gerade nicht gebraucht werden. Bei Fernassistenz entfällt das. Die professionelle Fernassistenzkraft kann effektiv mehrere Menschen kurz hintereinander unterstützen, in bestimmten Situationen eventuell sogar gleichzeitig. Sie kann barrierefrei von Zuhause aus arbeiten oder an jedem beliebigen Ort der Welt.

Fernassistenz eröffnet nebenbei auch ganz neue Arbeitsmöglichkeiten für Menschen mit Behinderung, sowohl für Assistenznehmer als auch für Assistenzgeber. Sie schafft barrierefreie Beschäftigungsmöglichkeiten für Menschen mit physischen, psychischen und gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Das ist eine Win-win-Situation. Menschen ergänzen sich. Einschränkungen gleichen sich aus.

Fernassistenz ist ein wertvolles Hilfsmittel für blinde und sehbehinderte Menschen, könnte aber auch für Senior:innen, Menschen mit Lernschwierigkeiten, schlechten Deutschkenntnissen, Orientierungsproblemen, beginnender Demenz, erhöhtem Sicherheitsbedürfnis oder ungenügenden Computerkenntnissen hilfreich sein.

Spezialisierte Fernassistenzkräfte könnten auch als virtuelle Arbeitsplatzassistent:innen, Mobilitätsunterstützer, Einkaufshelfer, Sicherheitsbegleiter, Dolmetscher, Pädagogen und Digital Coaches arbeiten. Dadurch ergeben sich ganz neue Möglichkeiten.

Menschen helfen Menschen aus der Ferne bei der Überwindung von Barrieren.

Anwendungsbeispiele

Die Fähigkeiten blinder Menschen sind sehr unterschiedlich. Manche brauchen viel Hilfe, manche nur selten. Manchmal dauert es nur eine Minute, manchmal wesentlich länger. Die folgenden Use Cases aus den Bereichen Mobilität, Unterwegs, Wald und Natur, Hotel/Krankenhaus/Reha, Kultur, Soziales, Zuhause, Computer und Technik, Ausbildung/Schulung/Beruf/Arbeitsassistenz sind eine stichwortartige Sammlung von Recherche-Ergebnissen und Ideen, was mit audiovisueller Fernassistenz und Fernbedienung von Smartphones und Computern alles möglich ist.

Mobilität

Man kann Fernassistenz nicht als alleinige Mobilitätshilfe benutzen. In Verbindung mit einem Stock oder Führhund bietet sie aber eine große Menge an nützlichen Informationen, zu denen man ansonsten keinen Zugang hätte.
Für einen blinden Menschen mit Langstock kann eine Fermassistenz ähnliche Dinge tun wie ein Führhund, beispielsweise Auffinden von Türen, Treppen, Ampelpfosten, Servicepoints, aber auch Ampelphasen oder fahrende Autos ansagen.
Lotsenfunktion: Hilfe bei der Orientierung. Wege finden. Navigationsanweisungen mittels Zugriff auf die Positionsdaten des Smartphones und Blick durch die Kamera.
In Bus oder Bahn: Freien oder reservierten Platz finden. Reiseinfos auf Bildschirmen lesen. Umsteigehilfe auf Bahnhöfen und Haltestellen.
Taxi oder Fahrservices: Wo ist der Taxistand? Ist mein bestellter Wagen schon da (in überfüllten Bereichen wie am Flughafen oder auf dem Parkplatz des Einkaufszentrums)? Was steht auf dem Taxameter? Stimmt das Wechselgeld? Bei Beschwerden: Nummer oder Kennzeichen des Wagens erfahren.
Fahrstühle: Auffinden, anfordern, Fahrtrichtung erfahren, Ausstiegsziel auswählen, auf Ankunft im richtigen Stockwerk hinweisen.
Sicher durch eine sich in Bewegung befindliche Drehtür kommen.

Computer und Technik

Mittels Fernzugriff-Tools oder Screensharing kann man sich auch am Computer helfen lassen:
Aktionen auf Websites und in Programmen ausführen, die nicht barrierefrei bedienbar sind.
PDF-Dokumente ausfüllen und unterschreiben. Dateien in andere Formate konvertieren. Layouts überprüfen.
Sicherheitsabfragen: Lösen von graphischen Captchas. „Wie viele Elefanten sind auf dem Bild zu sehen?“
Wenn der Screenreader ausgefallen ist oder nicht richtig funktioniert: Was ist auf dem Bildschirm zu sehen? Gemeinsame Behebung des Problems.
Durch die Menüs von Fernsehern oder Videospielen navigieren. Videos aufnehmen und bearbeiten.
Hardware: Ist das Gerät an? Leuchtet das Lämpchen? Wo stecke ich das Kabel hinein? Funktioniert der Drucker richtig? Wie lautet die Seriennummer?
Einrichten neuer Geräte. Kennenlernen der Bedienelemente und ihrer Funktionen. Tasten auf Fernbedienung lernen. Zugänglichmachung nicht-barrierefreier Anleitungen.

Ausbildung/Schulung/Beruf/Arbeitsassistenz

Präsentationsfolien beschreiben oder interpretieren. Eigene Präsentationen erstellen und kontrollieren. Etwas über die Reaktionen der Zuhörerschaft bei Vorträgen erfahren. Moderationsunterstützung. Hebt gerade jemand die Hand? Wurde mein Hand heben bemerkt? Ein Whiteboard oder unzugängliche gedruckte Handouts lesen. Über den Campus streifen. Zurechtfinden am Veranstaltungsort. Ein Büro, eine Kabine oder ein freies Bibliotheksarbeitsfeld finden. Bürogeräte bedienen. Post und Papiere sortieren. Handschriftliche Notizen von Kollegen lesen, usw.

Unterwegs

Im öffentlichen Raum: Vorlesen von Infotexten, Anzeigetafeln, Plakaten, Schwarzen Brettern, Aushängen. Hilfe bei der Bedienung von Automaten und Terminals, Wartesystemen mit Nummern ziehen und Anzeige auf Displays. Corona-Sicherheitsabstand in Warteschlangen einhalten.
Gastronomie: Auffinden eines freien Tisches. Vorlesen der Karte. Eventuell Finden des WCs. Personal auf sich aufmerksam machen.
Fitnessstudio: Navigieren auf der Fläche. Freie Geräte finden und einstellen. Werte zur Gesundheitsüberwachung ablesen. Gewichte und Hanteln identifizieren. Verstehen von Trainingsgeräten und Übungsvideos.
Sanitäre Anlagen: Öffentliche Toiletten vor Benutzung auf Sauberkeit überprüfen. Sichere Bedienung elektronischer Türschließmechanismen. Wo sind Kabinen, Urinale, Waschbecken, Seifenspender, Handtrocknungsmöglichkeit?
Kleidungskauf: Weitere Meinungen zum Aussehen bekommen (Kamera auf Spiegel richten).
Sicherheitsbegleitung: Wenn man unvertraute Wege geht, nachts oder an einsamen Orten unterwegs ist oder sich in riskante Situationen begibt, ähnlich den Heimweg-Apps wie „Way Guard“.
Spezielle Fragen: Wo kann der Hund sein Geschäft erledigen? Wo darf man rauchen? Wo ist ein Verkäufer?

In Wald und Natur

Hilfe bei der Orientierung mittels Fernzugriff auf Karten-Apps. Navigation im Wanderwegenetz. Vorlesen von Wegweisern an Wegkreuzungen.
Verbesserung des Sicherheitsgefühls, da man nicht alleine ist. Vorheriger Rundumblick, ob gerade jemand in der Nähe ist, wenn man mal muss.
Um sich im Wegenetz eines Parks oder Waldes mittels einer GPS-App für Blinde zurechtfinden zu können, muss man vorher alle Wege und ihre Kreuzungen kennenlernen. Dies kann man mit Fernassistenz machen. Dabei werden Navigationspunkte in der GPS-App gespeichert und eventuell Erinnerungsnotizen angefertigt. So kann man sich nicht nur an seinem Wohnort, sondern z.B. auch im Urlaub schnell neue Gebiete für Spaziergänge erschließen und dort dann künftig auch ohne Fernunterstützung unabhängig unterwegs sein.

Kultur

Auf nicht-barrierefreien Websites: Tickets buchen, Reservierungen vornehmen, Captchas lösen.
Ausstellungen/Museen: Beschreibung der Exponate. Vorlesen von Infotexten. Navigation durch die Räume.
Filme gucken: Erklärende Beschreibung der Handlung, wenn es für den Film keine Audiodeskription gibt.
Im Theater: Beschreibung von nonverbaler Handlung, Bühnenbild, Kostümen, Requisiten, Schauspieler:innen, Lichteffekten.
Besuchsvorbereitung: Wie kommt man zum Veranstaltungsort? Beschreibung des Lageplans der Räumlichkeiten. Wo ist was?

Hotel/Krankenhaus/Reha

Im Zimmer: Verstehen der technischen Einrichtungen (Thermostat, Klimaanlage, Duscharmaturen, Telefon, TV und Fernbedienung). Vorlesen von Infomaterial (WLAN-Passwort, etc). Unterscheidung von bereitgestellten Körperpflegeprodukten. Ausblick aus Fenster.
Im Gebäude: Zimmer, Frühstücksraum, Rezeption etc finden. Auswahl beim Frühstücksbuffet.
Auf dem Gelände: Orientierung in Außenanlagen.
Spazierengehen auf dem Krankenhausgelände, Besuch der Cafeteria, Kauf von Kleinigkeiten.

Soziales

Kontakthilfe: Finden und wiederfinden von Menschen auf einer Veranstaltung, Feier oder Party, in der Bar, Kneipe oder im Club. Wo ist die Frau, mit der ich mich vorhin so schön unterhalten habe? Wo ist der Dozent von dem spannenden Vortrag oder die Person mit der interessanten Bemerkung?
Man kann Menschen in Mengen finden oder wiederfinden, wenn man ein Foto von ihnen hat oder die Assistenz die Person schon gesehen hat.
Partnersuche: Auswählen geeigneter Profilfotos. Umgehung von Barrieren auf Websites von Partnerschaftsplattformen. Beschreibungen der Bilder von anderen. Gemeinsam „tindern“.
Flirthilfe: Beschreibung des Aussehens und nonverbalen Verhaltens anderer Menschen. Hilfe beim gezielten Ansprechen einer bestimmten Person.
Weitere Fragen: Was macht mein Kind gerade? Ist X auch hier? Wer befindet sich in meiner Nähe? Wo ist mein Hund?
Fotos zum Teilen in sozialen Medien: Schöne Bilder machen lassen von Haustieren, Familienmitgliedern, Freunden, Situationen. Die Dateien aussagekräftig beschriften lassen und eventuell mit einer zusätzlichen Bildbeschreibung per Mail zugeschickt bekommen.

Zuhause

Haushaltsgeräte bedienen, die nicht barrierefrei sind (Touchscreens, Sensortasten, Infos auf Displays, keine zugängliche Bedienungsanleitung).
Lebensmittel: Vorlesen von Infos auf Verpackungen und Etiketten (Produktname, Hersteller, Mindesthaltbarkeitsdatum, Zubereitungshinweise, Inhaltsstoffe). Überprüfung auf Frische, Schimmel oder Insekten. Flaschen oder Dosen identifizieren.
Zubereitung von Lebensmitteln: Gezieltes Umdrehen von Bratgut in der Pfanne, Überprüfung der Bräunung, Einstellen von Backofen/Kochfeld/Mikrowelle/etc, Auswahl von Garprogrammen,
Hausarbeit: Erfolgskontrolle nach Putzen/Staubsaugen. Schimmelkontrolle. Flecken/Verschmutztes/Verschüttetes finden. Aufräumen. Verlegte Objekte wiederfinden.
Die Wohnung optisch „schön“ machen und gestalten. Verschiedene Meinungen erfragen.
Haustechnik: Heizungsanlage bedienen, Thermostate einstellen, Sicherungen wechseln, Zählerstände notieren, Luftfeuchtigkeitsmesser ablesen.
Handwerkliches: Bilder aufhängen, Möbel zusammenbauen, Aufbauanleitungen und Bedienungsanleitungen vorlesen.
Haustiere: Optische Überprüfung auf Verschmutzung, Wunden, Krankheiten, Zecken. Auffinden und Beseitigen von unerwünschten Hinterlassenschaften. Dosierung und Verabreichung von Medikamenten.
Privatsphäre: Selbständig Covid-Schnelltests oder Schwangerschaftstests machen können.
Hygiene: Eventuell Hilfe bei Problemen mit Inkontinenz, Menstruation, Wunden (z.B. Fleckenkontrolle).
Eigenes Aussehen: Kleidung auswählen. Ein Outfit zusammenstellen. Farbliche Abstimmung. Verschiedene Meinungen einholen. Fleckenkontrolle. Make Up überprüfen.
Wäsche sortieren. Pflegehinweise auf Wäsche-Etiketten lesen. Bedienung einer nicht barrierefreien Waschmaschine.
Handschriftliche Rezepte und Notizen lesen.
Medikamente: Sortieren, dosieren, anwenden, Packungsbeilagen lesen.
Post: Sortieren, lesen, gelieferte und irgendwo abgestellte Pakete finden, richtige Briefmarken aufkleben.
Sicherheit: Wenn es an der Tür klingelt, kann ein Agent bei Zugriff auf eine vernetzte Außenkamera sagen, wer dort steht.

Die Vorteile von Fernassistenz

Die Nutzer:innen bestimmen, welche Hilfe sie brauchen und wann sie sie brauchen. Mit Fernassistenz muss man nicht mehr warten. Wenn man eine Aufgabe erledigen will oder Informationen benötigt, bei denen man auf das Augenlicht von anderen angewiesen ist, verbindet man sich einfach mit einer Assistenzkraft und kann tun, was zu tun ist.

Professionelle Fernassistenz eröffnet neue Möglichkeiten. Sie verändert die Art und Weise, wie blinde Menschen mit der Welt interagieren. Man bekommt visuelle Informationen auf Abruf, die ansonsten nicht zugänglich wären. Fernassistenz hilft, Barrieren abzubauen, Abhängigkeiten zu verringern und Ziele zu erreichen. Sie ermöglicht vieles, macht flexibler, produktiver und effizienter. Man kann die Dinge zu seinen eigenen Bedingungen erledigen und zu seiner eigenen Zeit.

Siehe auch

Wikipedia-Artikel über das freiwilligenbasierte Be My Eyes
Praxistest von Be My Eyes (Leidmedien.de, 2015)

Englischsprachige Ressourcen

** geschrieben und zusammengestellt von Per Busch, zuerst veröffentlicht im Mai 2022, seitdem gelegentlich überarbeitet **