Meine Projekte seit 2006

Avalon, das Multi User Dungeon (2005 bis 2007)

Nachdem ich diese phantastische, textbasierte und blind vollständig zugängliche Online-Welt viele Monate lang voller Begeisterung mit verschiedenen Charaktären durchstreift hatte, wurde ich vom Spieler zum Mitgestalter, sensibilisierte die Entwickler (in Avalon Götter genannt) für die Bedürfnisse von Screemreader-Nutzenden und schrieb eine Anleitung für die Avalon-Website, um anderen blinden Spieler*innen den Einstieg zu erleichtern.
Wenn man „Lalue“ auf https://avalon.mud.de „fingert“, kann man auch heute noch einiges über meinen ersten Charakter herausfinden, einen pazifistischen Wald-Elfen.

Mitarbeit bei Wikipedia (2007 bis 2009)

Das Internet ist für mich wie ein virtuelles Fenster, durch das ich sehen kann. Und Wikipedia war die Bibliothek, in der ich nach meiner Erblindung endlich wieder alles lesen konnte. Ich schrieb einige Artikel, arbeitete an anderen mit, beteiligte mich an Diskussionen, verfasste Hilfetexte, sensibilisierte für Barrierefreiheit und brachte mich in Projekte ein, auch in der englischsprachigen Wikipedia und bei den Entwicklern der MediaWiki-Software: Profil- und Diskussionsseite

Mobile Accessibility und Open Letter Initiative (2007 bis 2012)

Wie mein Traum von blind bedienbaren Smartphones und satellitenbasierter Navigation wahr wurde:
Warum ich 2007 meine Depression besiegte, gefährliche Suizid-Phantasien beerdigte, mich mit meinem fast vergessenen Schulenglisch rumquälte, Wikipedianer und Gelegenheitsjournalist für Heise Online wurde, Google-Mitarbeiter nervte und 2012 schließlich am Anfang und am Ende eines von Apple-Chef Tim Cook während der Keynote bei der WWDC-Entwicklerkonferenz vorgeführten Videos auftauchte: Selbsthilfe 2.0

documenta 2012

Zusammen mit meiner Führhündin Peggy arbeitete ich als Kunstvermittler für Gruppen sehender Besucher bei der documenta, der weltweit größten Ausstellung zeitgenössischer Kunst, die alle 5 Jahre in Kassel stattfindet. Mehr dazu, inklusive Links zu einem Beitrag bei Titel, Thesen, Temperamente und anderen Film- und Audiobeiträgen und über meine ganz spezielle Art der Kunstrezeption: d13

dubistblind.de (2017 bis heute)

Diese Website dient mir als Möglichkeit, kreativ sein zu können. Irgendwo zwischen Selbsthilfe und Selbstdarstellung, Engagement und Forschung, Pragmatismus und Idealismus, Empowerment und Accessibility, Privatprojekt und Community. Neben Humor mit Behinderungsbezug geht es um den Abbau von Barrieren, Fernassistenz, Mobilität, blind sein im Wald, blind bedienbare Smartphones, 3D-gedruckte Karten, den Hashtag #dubistblind, Stigmaforschung, die Ängste von Sehenden in unfreiwilliger Dunkelheit und einiges mehr: dubistblind.de Startseite

Harleswald.de und Waldprojektinitiative (2018 bis heute)

Das Motto meiner zweiten Website: Wald tut gut! Wald attraktiver machen, Wissen verbreiten, Möglichkeiten aufzeigen. Informativ, historisch, digital, überraschend, humorvoll, lokal, engagiert, waldbewegt. Denn wer in den Wald will, sollte es auch tun können! Waldbesuche sind gut für die Gesundheit. Sie sollten für möglichst viele Menschen möglich sein. Das hat sich insbesondere während der Corona-Pandemie gezeigt.
Bei der Waldprojekt-Initiative geht es um Verbesserungsmöglichkeiten für das Sicherheitsgefühl, die Barrierefreiheit und das allgemeine Besuchererlebnis im Wald. Es geht z.B. um Sitzgelegenheiten, Sackgassenpfade, Spaziergehtreffs, Funklöcher, Flurnamen, lokale Geschichte und Geschichtchen und auch um Deutschlands ältesten Blindenpfad.

Barrierefreie Karten aus dem 3D-Drucker (2018 bis 2019)

Für blinde und stark sehbehinderte Menschen sind Orientierung und Mobilität eine der größten Herausforderungen. Die Nutzung von 2D-Kartenmedien war für uns bislang kaum möglich. Die Herstellung individueller taktiler Karten war teuer und die Qualität oft schlecht. Dank der rasanten Entwicklung und Verbreitung der 3D-Druck-Technologien hat sich das geändert. Ertastbare Karten helfen, sich einen Überblick über Wegenetze zu verschaffen. Man kann damit Form, Verlauf und Positionierung von Wegen, Straßen, Gebäuden, Parks und anderen Objekten „begreifen“ und sich seine Umwelt räumlich besser vorstellen.

Waldgeschichten-Projekt (2019 bis 2021)

Bei diesem Projekt ging es darum, sehr lokales Wissen über den Kasseler Habichtswald zu sammeln, aufzubereiten, zu vermitteln, digital verfügbar zu machen und so für die Zukunft zu überliefern. Geschichte und Geschichtchen, Kindheitserinnerungen und Anekdoten von Leuten aus der Gegend, Försterwissen, Flurnamen, Orte von lokaler Bedeutung, Kriegsgeschehnisse, historische Kriminalfälle, Anekdoten mit Prominenten, frühere und heutige Besitzverhältnisse, Lost Places, Geocaches, Streitfälle, Klatsch & Tratsch. Was hat hier mal jemand gefunden oder ausgebuddelt? Was ist hier um uns herum mal passiert?

Rettung von Deutschlands ältestem Blinden-Waldwanderpfad (2020 bis 2021)

Mittels einer Petition an den Hessischen Landtag und intensiver Öffentlichkeitsarbeit setzte ich mich erfolgreich für den Erhalt der taktilen Orientierungshilfe auf dem Kasseler Blindenpfad ein. Mit meinen Argumenten konnte ich zuerst Experten und Juristen und schließlich auch Politiker*innen und das Hessische Umweltministerium überzeugen. Ein Stück Inklusionsgeschichte konnte bewahrt werden. Viele Menschen wurden für das Thema der Barrierefreiheit in Wald und Natur sensibilisiert. Mehr Infos in diesem Interview mit Ottmar Miles-Paul

Das Waldrikscha-Projekt (2021 bis 2022)

Ich habe mich für die Gründung einer Kasseler E-Rikscha-Initiative eingesetzt. Denn wer in den Wald will, sollte es auch tun können. Und wer nicht gehen kann, wird gefahren. Waldbaden auf Rädern!
Das Waldrikscha-Projekt – generationsübergreifend, kommunikativ, inklusiv, integrativ. Mit Radfahren nicht nur sich selbst und dem Klima, sondern auch anderen Menschen Gutes tun! https://harleswald.de/waldrikscha

Dunkelheit und Psychologie, Sehende und Blindheit (2020 bis 2021)

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Berührungsängsten gegenüber blinden Menschen und der allen sehenden Menschen bekannten Angst im Dunkeln? Was sind Urängste? Warum gibt es sie? Welche Ängste haben Tier und Mensch gemeinsam? Welche Ängste kennt schon jedes Kind? Welche realen Gefahren gibt es im Dunkeln? Wie gehen sehende Menschen mit ihrer Dunkelangst um? Welche Bewältigungsstrategien haben sie? Beeinflußen unbewusste Angsterinnerungen, wie Sehende sich das Leben und die Lebensqualität blinder Menschen vorstellen? https://dubistblind.de/blog

Das Fernassistenz-Projekt (Mai 2022 bis heute)

Ziel des Projekts ist die Entwicklung eines gemeinnützigen bundesweiten Service, der blinde, sehbehinderte, ältere und kognitiv eingeschränkte Menschen über eine App mit gut ausgebildeten, vertrauenswürdigen Assistenzkräften verbindet und bei Orientierungs-, Lese- und Verständnisschwierigkeiten und der Überwindung digitaler Barrieren hilft. Ich träume davon, die für einen gemeinnützigen Fernassistenz-Service benötigte Software und das im laufenden Betrieb gesammelte Wissen später auch kostenfrei an geeignete non-profit Organisationen in anderen Ländern weiterzugeben, um diesen die Entwicklung eigener Dienste zu erleichtern.

Auszeichnung: Offen für Vielfalt, geschlossen gegen Ausgrenzung

Für meine Waldprojekte (Waldrikscha, Waldgeschichten, Waldprojektinitiative, Rettung von Deutschlands ältestem Blinden-Waldwanderpfad, Harleswald-Website) erhielt ich 2021 einen Preis von der Initiative „Offen für Vielfalt, geschlossen gegen Ausgrenzung“: https://harleswald.de/2021/09/07/waldprojektinitiative-gewinnt-preis/